Tümpelkrähe, Monster-Krebse und hüpfende Fische – eine Session am DOMAINE DE BOUXIER

Zu kommerziellen Gewässern kann man natürlich stehen, wie man möchte. Ich für meinen Teil bin diesbezüglich ziemlich offen und muss mittlerweile auch zugeben, dass es mir so mancher Pay Lake wirklich angetan hat, beziehungsweise mein Interesse trifft. Fernab von überbesetzten Pfützen, gefällt mir die Schwierigkeit oder Raffinesse, welche oftmals von diesen stark frequentierten Wassern ausgeht. Vor solch einem Tripfährt mein Kopf wieder Karussell, wie kann ich die Fische überlisten? Vorbereitung ist alles…
Ein äußerst gieriges paar Augen verfolgt permanent jede einzelne meiner Handlungen. Unabläßlich starren die fressgeilen Pupillen auf meine Hände und deren Inhalt. Mit einem Fuß im Auto und offener Wagentür schneide ich mit dem Multi-Tool ein großes Stück Baguette ab. Nach dem Längsschnitt kommt ein guter, duftender Landkäse darauf. Noch bevor ich einen Bissen nehmen kann, kommt ein kleines Eck davon auch auf den Beifahrersitz in Richtung des gierigen Biestes. Oh ja, die Augen meines Hundes, alias Tümpelkrähe, leuchten förmlich vor Freude. Obwohl die Gier darin erst nach dem vollständigen verschwinden des Baguette in meiner Wenigkeit erlischt. Jo, ich stehe auf dem Parkplatz eines großen französischen Supermarktes, am Ende eines Trips und vor der langen, einsamen Heimfahrt. Verdammt, war in dieser Woche wieder viel passiert. Der große Erfolg blieb aus, aber sind es immer nur die dicken Fische die uns die Passion spüren lassen? Während mein Kombi wieder Richtung Autobahnauffahrt rollt, ein großer Schluck Energy-Drink die Krümel des Weißbrotes die Kehle runterspült und das letzte Stück Käse bei Coco im Schlund landet, wandern die Gedanken zurück… zurück zum Anfang dieser Reise. Ihr wisst es ja alle, erstens kommt es anders, zweitens als man denkt.
Im Oktober dieses Jahres ging es für mich eine Woche, nun ja ursprünglich eine Woche, doch lest selbst, an den Domaine de Bouxier, knappe 640 Kilometer von mir entfernt. In dieser wunderschönen, wahnsinnig dünnbesiedelten Region gibt es wohl mehr Kühe auf der Wiese wie Einwohner. Doch zurück zum Thema. Nach der Geburt meines Sohnes Vincent freute ich mich wie ein König endlich wieder an französische Ufer zu kommen. Die letzten Tage vor der Abfahrt waren wahnsinnig stressig und turbulent. Mein Schreibtisch auf der Arbeit lief fast über, wollte man ja schließlich noch etwas wegschaffen. Dazu auch im privaten mal wieder einiges zu erledigen und zwischendrin noch alles für den Trip vorbereiten.
Was war ich froh, als mein Tackle endlich den Weg ins Auto fand und kurz darauf die Kofferraumtür ins Schloss fiel. Am folgenden frühen Morgen startete meine Tour im Regen, nach kurzem Abstecher zur Tankstelle, Richtung französischer Grenze. Hin und her, hin und her. Drei Kreuze, dass die Scheibenwischer unterwegs nicht das Weite gesucht haben. Bis auf wenige Regenpausen prasselte es mehr oder weniger stark permanent vom Himmel. Im Regen sein Camp aufbauen, für mich mit am Schlimmsten. Doch die Hoffnung bestand bei dieser recht weiten Distanz ja schon, auf blauen Himmel, Sonnenschein und weiße Wölkchen zu treffen. Pustekuchen. Nach kurzem Zwischenstopp im Supermarkt, um mir Pfand-freie Getränke zu besorgen und mich mit meinem niederländischen Freund Jeroen zu treffen, folgte noch eine kurze Berg und Tal Fahrt hinter dem „fliegenden Holländer“. Mit meiner lahmen Gurke kam ich über diese schmalen Feld- und Wiesenwege fast nicht hinterher. Glücklicher Weise erschien auch bald das Schild „Domaine de Bouxier“. I’m happy!
Der Himmel war zwar relativ dunkel-grau bedeckt. Dennoch schaffte ich es, wenn auch barfuß im Matsch, mein HQ Bivvy aufzustellen und trocken einzuräumen. Ruten zusammen bauen, eine kurze runde Gassi mit der Nebelkrähe Coco und ab – Spots suchen. Mein Swim schien mir wirklich gut, nahe des Damms, welcher zum Ablassen des Gewässers verwendet wird. Dazu ein guter Teil zur offenen Seemitte hin. Die Uferseite war teilweise mit Eichelbäumen bewachsen. Sehr schön. Dazu noch der positive Effekt den tiefsten Bereich des Sees befischen zu können. Letzteres entwickelte sich nicht unbedingt als positiv, war die Wassertemperatur sehr hoch und ließ die Karpfen eher in den flacheren Abschnitten beißen. Doch dies brachte ich erst in den kommenden Tagen in Erfahrung. Interessante Stellen waren schnell gefunden. Noch einmal die Rigs angeschaut, aufs Wasser geblickt, gegrübelt und entschieden. Ja – so wird es gemacht! Nachdem ich im Uferbereich schon einige „vernaschte“ Flusskrebse, bzw. deren Überreste gesehen hatte, zog ich Rap It (von carp R Us) und Damenstrumpf aus der Tasche… Nach kurzer Basteleinheit beköderte ich meine vier zur Verfügung stehenden Ruten wie folgt:
  • Set Up 1: 24 mm Osmotic Spice Ready Made– im Strumpf mit gelbem Plastik-Mais
  • Set Up 2: zwei Tigernuts mit gelbem Plastik-Mais
  • Set Up 3: 20 mm Osmotic in Rap It plus eine kleine Tigernut
  • Set Up 4: eine einzelne Tigernuss, quer mit gelbem Plastik-Mais
Als Beifutter donnerte ich auf Set Up 1 einige Kilo Boilies, da hier ein etwas größerer Futterplatz angelegt werden sollte. In vielen (Pay-)Gewässern funktioniert das sehr gut. Bei den anderen Ruten kam neben einigen Freebaits (Osmotic Spice in 20mm) eine Mischung aus gekochten Tigers und Mais mit Explosiv Groundbait und Carptrack Liquid Amino sowie Betain. Allgemein hielt ich mich mit dem großen Einsatz von Fischmehl oder fischigen Flavourn zurück. Zum einen der Krebse wegen, zum anderen da ich wusste es gab hier Katzenwelse....
Nach einem köstlichen frischen Baguette, garniert mit Tomaten und Mozzarella, sowie einem wirklich delikaten Becher Bordeaux schlief ich, Coco im Arm, schnell ein. Der frühe Morgen war in Nebel gehüllt. Eine kleine Diode blinkt fleißig, begleitet von leisem Bleep und feinem Schnurren meiner Rolle. Ein müder Scupi springt wie von der Tarantel gestochen von seinem Bedchair, rein in die Watstiefel und nimmt die Rute in die Hand. Herrlich. Der Fisch verhält sich etwas sonderbar, daher schnappe ich mir wider Willen mein kleines Schlauchboot. Vor Ort liefert der silberne Pfeil unter Wasser noch einige Torpedoartige Fluchten. Eindeutig, Graskarpfen. Stark. Schnell hab ich den Amur im Kescher, befreie ihn vom Haken und setze das Boot zurück gen Ufer. Bye bye Padde, winkt mir der Fisch zu und hüpft einfach aus dem Kescher. Fragt jetzt bitte nicht nach meinem Gesichtsausdruck… Ach ja, es war wirklich die Set Up 3 – Rute mit dem einge-rapt it 20 mm Osmotic Spice.
Jeroen kam gerade des Weges. Da passte es mir erst einmal die Rute ans Dome zu stellen und einen Kaffee anzusetzen. Etwas Smalltalk lenkte ab. Einige Fische wurden gefangen, aber bisher nur in den flacheren Zonen. Das Wetter ist bei unserer Passion eben ein sehr bedeutsamer Faktor. Das Frühstück ersparte ich mir, zog alle weiteren Ruten raus, um die Sachlage zu kontrollieren. Während die Hook Links mit den Tigers unversehrt waren, hatten die Zwergwelse an der 24 mm Montage ganze Arbeit geleistet. Nur noch ein Stückchen des Damenstrumpfes war übrig. Dazu kam mein völlig verknotetes Vorfach. Unglaublich aggressiv die Viecher hier.
Somit kam nur noch Rap It zum Einsatz. Zwei Rigs blieben auf Boilies, die anderen Beiden auf Tigers. Bei den Boilies wechselte ich das Material auf Captive Stiff Rig Schnur, um dem Link bei Attacken der Plagegeister etwas mehr Steifheit zu verleihen. Gegen Mittag lagen bei identischer Futtertaktik alle Ruten auf ihren Plätzen. Ich genoss den Tag und vereinzelt auch Sonnenstrahlen, da die Wolkendecke etwas aufgerissen war. Gegen 16:30 Uhr wiederholter Vollrun auf meinem Set Up 3 – feel the Osmotic Effect, Baby. Ohne Boot landete ich, …ohne Witz, einen Graser. Der lange, silberne Fisch ließ den Zeiger meiner Waage auf knapp über 20 Kilogramm schlagen. Big Mama zauberte mir ein Grinsen ins Gesicht.
Leider war niemand in der Nähe und da es bei Graskarpfen relativ heikel ist, kam der Amur nach einigen schnellen, schnellen Fotos mit dem Selbstauslöser direkt in sein Element zurück. Einige Knödel hatte ich bereits mit Rap It eingezogen (was übrigens Kinder-leicht ist…), so dass ein erneutes Auslegen schnell von statten ging. Die Taktik passte also soweit. Der Tag verging. Gegen Abend zog sich das Wetter zu, so dass alles wassergeschützt verstaut werden musste. Hund Coco relaxte wie ich, auch mal durch nichts tun oder Fotos machen. Leider folgte danach eine sehr gute Nacht, nur unterbrochen durch vereinzelten Piepsern. Früh am grauen Morgen wachte ich auf. Kaffee! Nichts war passiert. Grausames Gefühl, dazu war diese Welt um mich herum schier grau. Doch ich bekam glücklicherweise keine allzu großen Depressionen. Mein Hund sowie die gelegentlichen Nachrichten aus der Heimat oder Telefonate mit meiner lieben Frau Sarah halfen die Gedanken klar zu halten.
Wie mittlerweile immer hatte ich auch dieses Mal mein Smartphone mit am Start. Bei meinem Provider habe ich ein sog. EU-Daypack aktiviert, wobei ich eine Surf-Flatrate mit relativ kleinem Datenvolumen für 1,99 Euro / Tag nutzen kann. Dies erspart mir alle kostenpflichtigen SMS, da ich Whatsapp-Nachrichten verschicken kann oder eben auch mal ein Bild des Sohnemannes vorm Einschlafen bekomme. Problem an diesen blöden Minicomputern ist der Akku… Auch ohne viel surfen hält das Ding keine vollen zwei Tage. Mein Tipp: eine kleine selbstgebaute Ladestation - Zigarettenanzünder + Session Pack (Akku) und ihr habt permanent einen Draht in die Außenwelt:
Doch natürlich saß ich nicht den ganzen Tag am Handy. Eher ließ ich es links liegen, antworte ganz unhöflich den Leuten nicht und relaxte lieber. Ich tankte in der Einsamkeit (mein Freund Jeroen war teilweise den ganzen Tag unterwegs, bzw. links und rechts neben mir war kein naher Angelplatz) sowie der Stille, welche mich umgab pure Energie. Meine ganze Konzentration fixierte sich auf das Karpfenangeln. … eine Wohltat. Die Zeit verflog… Mitten in der Nacht wachte ich auf – bleeep.
Sofort durchfluten Hormone meinen Körper. Eine Hand reißt die Watstiefel bei, ich bin hellwach. Mist, außer einem Piepser keine Aktion. Da das Wasser im dunklen Uferbereich förmlich brodelt, tippe ich auf raubende Katzenwelse, welche gegen meine Schnur kamen. Zwei meiner Ruten wurden sicherheitshalber eh abgesenkt. Gerade an solch hochfrequentierten Gewässern kann das Sinn machen. Alle Set Ups sind OK, falscher Alarm. Während ich in der Schlafsack schlüpfe, dreht sich dieser, nachts schier 3x so breite Hund, nicht einmal um. Mit Gewalt schiebe ich das Vieh bei Seite. Frecher Hund… Schnell Stirnlampe ausmachen und das elastisch Band vom Kopf runter auf den Hals ziehen. Zack, wieder durchfluten mich Hormone. Diesmal jedoch der Schmerzen… Meine Led Lenser ist einfach neu zu neu und deren Kopfband noch zu flexibel, bzw. elastisch. Das Gehäuse ist mit volle Lotte aufs Nasenbein geknallt. Was Schmerzen, mir brennt jetzt noch die Nase, wenn ich daran denke. An meinen Fingern sogar ein Tröpfchen Blut. Nach schier endlosen Minuten komme ich zum Gedanken, dass mein Zinken nicht gebrochen ist und schaffe es irgendwie einzuschlafen.
Wenig später, im grauen Hell eines neuen Tages, weckt mich der fliegende Holländer alias Jeroen mit einem Kaffee. Wuah, war der dünn. Andere Länder, andere Sitten…hihi… Wir halten eine Runde Smalltalk. Es läuft allgemein sehr schleppend, obwohl in den flacheren Bereichen relativ konstant ein, zwei Fische die Nacht laufen. Darunter auch mittlerweile 2 Karpfen um die 20 kg. Der Aufseher des Domaine de Bouxier hatte Jeroen mittlerweile bestätigt, dass ich den größten Graser des Gewässers gefangen hatte. Wahnsinn… Da musste ich schon etwas Grinsen, doch ein weiterer „normaler“ Karpfen wäre auch noch schön. Nachdem mein niederländischer Freund wieder weg war und das obligatorische Gassi gehen vollbracht, folgte auch für meine Wenigkeit etwas morgendliche Hygiene. Man kann sicherlich sagen, was man möchte – blanken bringt einen definitiv weiter. So gefrustet ich war, umso mehr Gedanken machte ich mir. Es ist eigentlich auch mal wieder ganz cool eine ganz andere Herausforderung zu haben. Eine Tatsache, die ich persönlich an den von mir besuchten Paylakes schätze!
Where is Coco? Grinsende Niederländer, welche gerade für eine schnelle Runde Smalltalk vorbei kamen suchten meinen Hund. Aaahh, TÜMPELKRÄHE! Lief das Dreckvieh nicht wirklich vollständig durch den ganzen Matsch am Ufer, hüpfte auf das Bedchair und verteilte den ganzen gesammelten Morast zwischen Schlafsack bis Kopfkissen. Auf dessen ich sie übrigens auch schlafend fand… Allgemein waren die angelnden Kollegen um das Gewässer (alles Niederländer) ausgesprochen nett. Wer deutsch konnte, versuchte mir damit entgegen zu kommen. Doch auch Englisch half weiter, um sich gegenseitig über die Taktiken, Beobachtungen oder Ergebnisse der Nacht auszutauschen. Ein Blatt nahm dabei keiner vor den Mund.
Karpfenangeln verbindet eben ungemein. Obwohl ich manchmal schwer vermutete, die Leute wollten nur mein Hündchen auf den Schoss nehmen. Daran hatten alle ihren Narren sprichwörtlich gefressen. Was meine Köder anging, wollte ich nichts mehr verändern. Ich tüftelte eher noch etwas mit Stiff Material sowie gecoatedem Link herum. Ebenso wie der Schwerpunkt des Hakens, welchen ich durch zusätzliches Gewicht verstärken wollte. Während ich mit zwei Ruten nahe dem rechts von mir gelegenen Damm fischte, ging ich mit den anderen Rigs auf die Jagd und versuchte springende Fische zu lokalisieren. Dort legte ich die Montagen an interessante Stellen in verschiedenen Tiefen. Eine Tütensuppe, ein halbes Becherchen Bordeaux und ein Telefonat mit der Liebsten. Gute Nacht Welt… Der Schlaf hatte mich gefangen.
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Seit 2017 buche ich jährlich einen Urlaub bei Jeroen. Neben einer perfekten Beratung zum Gewässer gab es außerdem hilfreiche Tipps und Tricks, welche schnell zum Erfolg geführt haben. Top Service und gute Beratung für den perfekten Urlaub, mehr geht wirklich nicht!
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